Fondsbeteiligungen im Nachlass –
Möglichkeiten abschätzen Risiken minimieren

Eine Fondsbeteiligung zu erben bedeutet leider nicht in jedem Fall einen Vermögenzuwachs. Die damit verbundene Gesellschafterstellung bedeutet immer auch einen nicht unerheblichen Verwaltungsaufwand und die Übernahme entsprechender Pflichten.

Beispielsweise kann auch der neue Gesellschafter (Erbe) für die Rückzahlung von Ausschüttungen haftbar gemacht werden. In besonderen Fällen könnten sogar Nachschusspflichten entstehen, beispielsweise, wenn dadurch eine drohende Insolvenz abgewendet werden kann.

Fünf Schritte auf die Sie achten sollten, wenn Sie Erbe
einer Beteiligung an einem geschlossenen Fonds geworden sind

1. Mögliche Fristen beachten

In der Regel ist zügiges Handeln erforderlich. Um gegebenenfalls die Erbschaft noch ausschlagen zu können, ist die kurze 6-wöchige Frist des § 1944 Abs. 1 BGB zu beachten. Sie beginnt mit dem Zeitpunkt, in welchem der Erbe von dem Anfall und dem Grund der Berufung Kenntnis erlangt.

Grundsätzlich ist es nicht möglich, die Erbausschlagung auf einen Teil des Erbes – zum Beispiel die Fondsbeteiligung – zu beschränken.

2. Fondsunterlagen aus dem Nachlass prüfen

In der Regel finden sich alle erforderlichen Informationen im Beteiligungsschein oder im Fondsprospekt. Hier sind die wesentlichen Dokumente der Kapitalanlage abgedruckt. Von besonderem Interesse ist der Gesellschaftsvertrag, da in ihm gegebenenfalls bestimmt worden ist, ob und wie die Gesellschafterstellung vererblich ist. Beispielsweise sind häufig Erben ausgeschlossen, die in Deutschland nicht steuerpflichtig sind. In den meisten Verträgen gibt es noch weitere Beschränkungen.

3. Eigene Erbenstellung prüfen

Es ist zu unterscheiden, ob man Alleinerbe oder Miterbe in einer Erbengemeinschaft geworden ist. Der Alleinerbe wird als Gesamtrechtsnachfolger in der Regel auch Gesellschafter der Beteiligung oder Vertragspartner des Treuhänders. Komplexer wird die Rechtslage bei Bestehen einer Erbengemeinschaft.
Die gesetzliche Erbfolge führt oft zu einer Erbengemeinschaft. Den einzelnen Miterben steht zunächst nur ein Anteil des noch ungeteilten Nachlasses zu. Eine quotale Berechtigung des Einzelnen an einem konkreten Nachlassgegenstand gibt es vor einer Auseinandersetzung gerade nicht.
Das Gesellschaftsrecht schafft hier eine Ausnahme. Im Wege der Sonderrechtsnachfolge kann jedem Miterben ein eigener Gesellschaftsanteil zustehen, der seiner Erbquote entspricht. Oft finden sich in den Gesellschaftsverträgen hierzu Regelungen, die es zu beachten gilt.

4. Mit der Gesellschaft in Kontakt treten

Der Erbe kann bei Vorlage eines Erbscheins oder eines anderen Erbnachweises den aktuellen Sachstand der Beteiligung bei der Fondsverwaltung erfragen. Der Vertreter einer Erbengemeinschaft benötigt daneben eine Bevollmächtigung. Der Sachstand der Beteiligung ergibt sich aus dem aktuellen Geschäftsbericht oder – wenn seit längerer Zeit kein entsprechender Bericht erstellt wurde – aus den Kennzahlen einer Beteiligung.
Zur Umschreibung der Beteiligung müssen gegebenenfalls notariell beglaubigte Vollmachten ausgestellt werden, um das Handelsregister zu berichtigen.

5. Handlungsalternativen abwägen

Zunächst ist es sinnvoll, die Beteiligung zu bewerten. Hier ist darauf zu achten, dass die Instrumentarien zur Bewertung eines gerade aufgelegten Fonds andere sind, als die zur Bewertung einer älteren Beteiligung, die beispielsweise kurz vor der Abwicklung steht. Eine nicht zu unterschätzende Schwierigkeit besteht bereits darin, verlässlich Kennzahlen zu finden.

1

Gesamte Erbschaft ausschlagen
Die gesamte Erbschaft auszuschlagen ist in der Regel nur dann sinnvoll, wenn die Beteiligung überschuldet ist und wenn sie den wesentlichen Teil der Erbschaft ausmacht.

2

Beteiligung Verkaufen
Hierbei ist zu beachten, dass es keinen geregelten Markt für geschlossene Beteiligungen gibt. Anders als beispielsweise bei börsennotierten Wertpapieren ist der Marktwert von Beteiligungen oft nur unzureichend zu bestimmen. In manchen Fällen können Internetplattformen einen ersten Anhaltspunkt geben. Oft ist man auf die Einschätzung und die Prognose der Verwaltungsgesellschaft angewiesen.

3

Abwarten und eigene Vorsorge treffen
Für den Fall, dass man sich entscheidet die Erbschaft anzunehmen, die Beteiligung zu behalten und deren Ablauf abzuwarten, sollte man prüfen, ob man selbst Regelungen für den Vermögensübergang an die eigenen Erben treffen will.

Professionelle Unterstützung in Erbschaftsfragen

Die Anwälte unserer Kanzlei haben bereits mehrere Jahre Erfahrung mit Fondsbeteiligungen im Nachlass. Unsere Mandanten beraten und begleiten wir bei allen rechtlichen Fragen, die sich im Zusammenhang mit dem Erbfall stellen. In einfach gelagerten Fällen übernehmen wir beispielsweise die Korrespondenz mit der Fondsverwaltung oder die Organisation eines Verkaufs. In schwierigeren Fällen unterstützen wir unsere Mandanten bei einer Erbauseinandersetzung und stehen als Testamentsvollstrecker zur Verfügung.

Die Ersteinschätzung durch einen Rechtsanwalt unserer Kanzlei erfolgt kostenlos.

Ihr Ansprechpartner

rechtsanwalt-weidhasJörg-Ulrich Weidhas
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Fachanwalt für Bank- und
Kapitalmarktrecht

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